Ohne Worte
Es ist normalerweise nicht meine Art persönlich Dinge auf dieser Seite zu veröffentlichen. Und obwohl es mich persönlich sehr bewegt, denke ich, das Alle ein Recht darauf haben diese Zeilen zu lesen.
Kime-no-kata - die Form der Entscheidung
Seit nunmehr vier Jahre habe ich diese Kata zusammen mit meinen langjährigen Freund Willi geübt. Die Idee hierzu entstand aus dem Wunsch mal etwas besonderes machen zu wollen. Willi wollte mal eine Kata mit Waffen machen. Da bot sich die Kime-no-kata förmlich an. Die ersten Versuche diese Kata zu erlernen waren von aufgeschürften und blutigen Zehen geprägt. Aber alles das konnte uns von unserer Entscheidung die wir getroffen hatten nicht abbringen.
Mit der Zeit schafften wir es, diese Kata in einer Form zu präsentieren, welche uns beide mit Stolz erfüllte. Es war die Zeit gekommen, auch andere daran teilhaben zu lassen. Im vergangenen Jahr trafen wir gemeinsam die Entscheidung bei den Westdeutschen Kata- Meisterschaften teilzunehmen. Es war für uns beide ein unbeschreibliches Gefühl die bronzene Medaille am Ende dieses Turniers überreicht zu bekommen. Dies führte einen Schritt weiter, wir durften an den Deutschen Kata - Meisterschaften teilnehmen. Es erschien uns wie ein Wunder als die drei Finalisten-Paare aufgerufen wurden und wir unsere Namen hörten. Wir erreichten an diesen Tag den dritten Platz.
Die Ereignisse in den darauffolgenden Wochen überschlugen sich. Es folgte die Nominierung für die Europäischen Kata-Meisterschaften in Turin. Keiner von uns beiden hatte damals daran gedacht, das wir es jemals schaffen könnten, Deutschland bei einem Turnier dieser Größenordnung zu repräsentieren. Auch wenn an diesem Wochenende für Willi und mich keine Medaille in greifbarer Nähe war, war es das schönste Turnier in meiner/unserer Judo-Laufbahn an welchen ich/wir teilnehmen durften.
Wir trafen die Entscheidung weiter an unserer Kata zu arbeiten, sie zu verbessern. Die ersten Früchte unserer mühelosen Arbeit zeigten sich in diesem Frühjahr als wir erneut bei den Westdeutschen Kata-Meisterschaften antraten. Nur ganz knapp verpassten wir unsere Chance uns die Goldmedaille zu schnappen. Ein respektabler zweiter Platz war unser Lohn. Dieser verleihte uns den nötige Hunger nach Mehr! Wir wollten endlich das verdiente Gold!
Unsere gezeigten Leistungen führten zur Nominierung für die Europäischen Kata-Meisterschaften 2007 in Wuppertal. Es sollte unsere zweite Teilnahme sein.
Erst jetzt zeigte sich für uns, welches Ausmaß unsere Entscheidung vor vier Jahren angenommen hatte. Die Entscheidung, mal etwas mit Waffen zu machen führte zu zwei bronzenen, einer silbernen Medaille und einer zweifachen Nominierung zu einer Europameisterschaft. Wer hätte das gedacht, das eine Entscheidung soviel bewirken kann?
Es gibt Entscheidungen im Leben, auf welche wir keinen Einfluss haben. Diese Entscheidungen erreichen uns plötzlich und unvorbereitet. Es sind Entscheidungen welche unser ganzes Leben komplett verändern können und dessen Ausmaß uns unüberschaubar erscheinen.
Am 11. Mai 2007 sollte es für uns endlich losgehen! Wir beide brannten darauf unsere Kata in diesem Jahr bei den Europameisterschaften zu präsentieren . Wir hatten das Ziel fest vor Augen! Es sollte nur ein Testlauf sein bevor wir nach Wuppertal fahren wollten um uns bei unserem Bundestrainer zu akkreditieren. Gemeinsam fuhren wir nach Kleve um letzte Details zu besprechen und die Kime-no-kata ein letztes mal vor der EM zu laufen. Es war eine der schönsten Demonstrationen dieser Form der Entscheidung welche ich erleben durfte.
Es war zugleich das letzte mal das ich diese Form aktiv erleben durfte.
Plötzlich brach Willi zusammen. Die Notärzte vor Ort taten Ihr bestes. Mit allen möglichen Mitteln versuchten sie ihn wiederzubeleben. Ihre Bemühungen waren jedoch vergebens. Willi verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus. Er trug immer noch seinen Judoanzug, voller Stolz und Ehre.
Dieser treue Weggefährte, welcher mich in meiner schönsten Phase meines Lebens begleitet hat, hinterlässt eine wundervolle Frau und einen einzigartigen Sohn. Ihnen gilt unsere Trauer und unser Mitgefühl, diese Entscheidung zu tragen.
In grenzenloser Dankbarkeit
André